Helga Sommer

Renate Kohn

neues EFfz-Logo

© Sem Hölscher & Sarah Würgler - erstellt: 2001-03-11 aktualisiert: 2001-04-21 21:19 SH

Trennlinie mit blauen Augen
 

SH:
Ich darf Sie doch Helga nennen?

HS/RK:
Ja, wenn's nur um Helga geht, sicherlich. Ich muss immer lachen, in der Firma, also bei der Odeon-Film, höre ich oft: "Hallo Helga, Entschuldigung, Renate ..."

 

SH:
[Gelächter.] Das passiert uns auch dauernd. Als ich neulich das Rezept für die Mirabellen-Konfitüre geschickt habe, habe ich wirklich angefangen mit "Hallo Helga".

RK:
Wenn ich den Odeon-Kollegen mal eine Karte aus dem Urlaub schreibe, schreibe ich auch "Eure Renate" und ganz klein "Helga".

 

SH:
Wie sind Sie eigentlich damals zu »Ein Fall für zwei« gekommen?

RK:
An wen geht die Frage jetzt? Die Helga gab es ja damals noch gar nicht. - Ich bekam einen Anruf, ich möge mich vorstellen, es ginge um eine Rolle, die zu besetzen sei. Und ich hatte natürlich wieder eine Sprachaufnahme in Frankfurt. Damals gab es noch keine Handys, aber es gab schon damals den Stau zwischen Frankfurt und Wiesbaden, und dann hing ich also in diesem Stau fest, und der Termin rückte immer näher und näher, es war heiß, die Sonne schien. 'Oh', dachte ich, 'die Rolle ist futsch.' Aber wie man sieht, hat es dann doch geklappt. Mein erster Regisseur bei »Ein Fall für zwei« war Kaspar Heidelbach.

 

SH:
Sie sagten gerade Kaspar Heidelbach?

RK:
Ja.

 

SH:
Die erste Folge, in der Sie zu sehen sind, ist EFfz024 »Chemie eines Mordes«. Die einzige Folge, die aus dem Zeitraum in Frage kommt, ist EFfz025 »Die verlorene Nacht«, da haben sie offenbar die Sendereihenfolge wieder geändert.

RK:
Jedenfalls habe ich als erstes mit Kaspar Heidelbach gedreht. Damals spielte Günter Strack den Anwalt. Ich war natürlich sehr aufgeregt. Der große Günter Strack ... Aber Günter kam auf mich zu: "Ach, komm amal an mei Herz." und dann hat er mich so an seine breite Brust gedrückt. "Ich bin der Günter, und du bist die Renate." Und da war gleich das Eis gebrochen, das war sehr schön.

 

SH:
Helga, was hat Sie dazu gebracht, so lange bei den jeweiligen Anwälten zu bleiben? Das ist doch bestimmt sehr anstrengend?

RK:
Wieso ist das anstrengend? Es ist sehr schön, das ist mein Job.

 

SH:
Helga ist gefragt!

HS:
Ach so. Dieser Personentausch - das ist anstrengend! [Gelächter.] - Ich hab' doch immer einen netten Chef gehabt, warum sollte ich denn gehen? Damals ging ja Dr. Renz in die Toskana, und ich habe es ihm schon übel genommen, dass ich ihn nicht verabschieden durfte. Das fand ich gar nicht nett, auf einmal war mein Chef weg. Ich fragte mich, was kommt jetzt. Und dann kam Dr. Franck.

 

SH:
Dann ging Dr. Franck mit Hund Umba an die Uni Berlin.

HS:
Und dann kam Dr. Voss. Den fand ich auch sehr nett. Und ich war froh, dass ich ihn mit all meiner Erfahrung unterstützen konnte. Ich bringe ja nicht nur Kaffee rein, sondern schmeiße den ganzen Laden - ich meine, was meine Aufgaben als Sekretärin betrifft.

 

SH:
Die jeweils neuen Anwälte wären doch ohne Helga aufgeschmissen. Die kennt sich doch da aus.

HS:
Ja natürlich! Total!!!

 

SH:
Und Renate, was hat Sie dazu gebracht, so lange dabei zu bleiben?

RK:
Als Schauspieler ist man heute froh, wenn man zu tun hat und es freut mich, dass ich in so einer renommierten Serie spiele. Das ist das Eine. Zum Anderen ist mir natürlich die Odeon-Film sehr ans Herz gewachsen, ich bin ja seit 1984 dabei und kenne da viele Leute. Es ist "meine Firma". Warum sollte ich da weggehen? Ich hab' mich immer sehr gefreut, wenn der Anwaltswechsel war und Georg Althammer mich anrief und fragte: "Magst du noch?" Na klar mochte ich.

 

SH:
Helga, Sie sind seit 1984 dabei und haben mit allen Anwälten gearbeitet. Welcher war Ihnen der liebste?

HS:
Das kann man so nicht sagen. Ich sitze in einem Restaurant und bestelle mir heute das, morgen das, vier verschiedene Gerichte, und alle schmecken gut. Und dann kann ich eigentlich nicht sagen, was ich favorisiere. Jeder hat so seine Eigenheiten, seine Stärken und Freundlichkeiten, und dann kann ich nicht sagen, mit dem habe ich lieber gearbeitet.

 

SH:
Matula bzw. Claus Theo Gärtner kennen Sie am längsten. Was können Sie über ihn sagen?

RK:
Ich hab' ein fröhliches, kollegiales Verhältnis zu ihm.
Was Helga und Matula betrifft, so haben die beiden ja die meisten Szenen gemeinsam. Es wurde schon mal überlegt, ob die beiden sich duzen sollten. Dann wurde das wieder verworfen, und ich denke mal, diese Distanz ist auch gut.
Als Renate bin ich mal mit Claus Theo auf dem Nürburgring gefahren.

 

SW:
Selbst gefahren?

RK:
Nein. Wir haben einen Film über Claus Theo gedreht für den SWR und haben Claus Theos 50. Geburtstag zum Anlass genommen und auch, dass er diese Rennen fährt.
Als Moderatorin dieser SWR-Sendung saß ich neben Claus Theo im Rennwagen. Er ist ein toller Fahrer - ich hatte auch keine Angst, trotzdem war's mir nachher so schlecht wie nach der Achterbahn.

 

SH/SW:
Echt?

RK:
Ja, ist doch klar. Claus Theo kennt die ganzen Kurven, aber mein Gleichgewichtssinn stellte sich nicht so schnell um. Einmal haben wir uns auch gedreht. Claus Theo meinte, das hätte er extra gemacht, um mich zu testen. Ob ich das glauben soll, weiß ich nicht so genau. [Lacht.] Es ist ein sehr hübscher Film geworden. Es gibt doch die Szene in einem EFfz-Vorspann, wo ein Auto auf den Abgrund zurollt und Claus Theo in letzter Sekunde reinspringt und den Wagen stoppt. Und das war dann der Schluss unseres Films. Ich stehe dann da mit dem Sportreporter: "Ey," sag' ich zu dem Reporter, "guck' mal, dein Auto ..." Aber Claus Theo rettet ja bekanntlich das Auto in letzter Sekunde.

 

SH:
Bisher hatten Sie als Helga ja noch nicht den großen Auftritt. Wünschen Sie sich das?

RK:
Ja klar, seit ich die Helga spiele! Und immer bettele ich: "Schreibt doch endlich mal eine schöne Geschichte für Helga." Ja klar, es wäre schon schön, wenn Helga mal eine Episode bekäme.

 

SH:
Haben Sie dafür schon eine Geschichte?

RK:
Ähhh ... Ja ... ja ... Aber die erzähle ich doch hier nicht. - Es hat schon etwas mit Entführung und Erpressung zu tun, ja.

 

SH:
Helga, Sie haben eine Schwester. Erinnern Sie sich an den Fall? [EFfz030 »Immer Ärger mit Ado«]

RK:
War das, wie ich den kleinen Hund in Pflege hatte, der immer unter den Schreibtisch pinkelte? Oh ja, der Hund, das war schon schwierig.
Das war die Folge mit Wolfgang Reichmann.Der große Wolfgang Reichmann. Ich verehre ihn sehr - auch als Bühnenschauspieler. Sein Tod hat mich sehr betroffen gemacht.

 

SH:
Erinnern Sie sich an die Geschichte mit den Ohrringen? [EFfz101 »Gier«]

HS:
Jaaaa - jajaja ... Das war noch mit Franck. Da habe ich ihm doch irgendwie einen Ohrring empfohlen oder meinen gegeben ... Damit er ihn seiner Freundin schenkt.

 

SH:
Beiden! Und abends trafen sich Matula und Franck gemeinsam mit ihren Freundinnen zum Essen und schenkten jeweils ein "Unikat, angefertigt von einem Juwelier in der Münzgasse".

HS:
Ja, eine gute Sekretärin hat halt gute Ideen!

 

SH:
Helga macht wirklich alles.

HS:
Ja klar. - Nee, fast alles.

 

SH:
Also, ich find' die Rolle eigentlich gar nicht so klein. Eine Anwaltskanzlei ohne Sekretärin? Helga ist immer irgendwie präsent. - Damals bei dem großen Krach [EFfz105 »Eine mörderisch gute Idee«] haben Sie ja auch zu schlichten versucht. - Aber vorher auch Faxe an den Kopf geworfen bekommen und Kündigungsdrohungen.

RK:
Ach ja? Das weiß ich schon gar nicht mehr.

 

SH:
Sehen Sie sich die fertigen Folgen an?

RK:
Natürlich!

 

SW:
Ich kenn' mich am besten mit den Renz-Folgen aus. Mit denen bin ich aufgewachsen. Die habe ich mir als Kind reingezogen. Dann war's nicht mehr ganz so wie bei Semmy zum Beispiel. Aber 001 bis 060, die kann ich fast auswendig. Als ich angefangen hab', war ich elf. Und das hat dann drei, vier Jahre gedauert. Ich war so begeistert ...

RK:
Haben Sie denn Günter Strack einmal kennen gelernt?

 

SW:
Nein. Claus Theo Gärtner hatte ich damals am Telefon, ich war so verdaddert, ich hab' kein Wort rausgebracht. Da war ich 12.

RK:
Also, Günter Strack, das war ein barocker Mensch ... Er konnte genießen und feierte gerne ... Ich hab ja mit Günter Strack auch »Hessische Geschichten« gedreht. Das war sehr lustig. So richtig auf Hessisch, und ich war das Els'sche. Und er hat unser Wochenendhaus und unseren Weinkeller und alles verwettet. Es ging um eine Weinwette, und er kam dann mit der Dekantierkanne und sagte: "Das is e gut Tröpfche, gell, Els'sche, das trinke wir nur nachts nackisch uff de Bettkant."

 

SH:
Wie lange wollen Sie die Rolle der Helga noch spielen?

RK:
[Kolja bellt zustimmend.] Ach, so lange ich das kann. Bis Helga in Rente geht. Und das hat ja noch ein bisschen Zeit.

   

Interview anlässlich des Drehbesuchs im März 2001.


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