Josef Matula

Claus Theo Gärtner

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© Sarah Würgler & Sem Hölscher - erstellt: 2001-03-11 aktualisiert: 2001-04-21 23:45 SH

 

SW:
Herr Matula, kennen Sie Herrn Gärtner?

JM:
Nein.

 

SW:
Aber Sie Herr Gärtner, Sie kennen bestimmt den Matula.

CTG:
Aber klar! Sehr gut!

 

SW:
Was ist denn das für einer?

CTG:
Der Matula? Tja, was ist das für einer? Das hat sich natürlich im Laufe der letzten zwanzig Jahre ein bisschen geändert, nicht? Von dem flippigen, rausgeworfenen Polizisten zu jetzt einem gestandenen Detektiv. Aber viel hat sich bei ihm nicht geändert, weil weiterhin anti-autoritär ist, temperamentvoll und ein Mann zum Pferdestehlen.

 

SW:
Herr Matula, trifft das zu, was er über Sie sagt?

JM:
Ja, das trifft zu.

 

SW:
Wie würden Sie Herrn Gärtner einschätzen? Als Privatdetektiv haben Sie doch eine gute Nase für sowas.

JM:
Ach der Gärtner, der wäre mein bester Freund!

 

SW:
Stimmt das, Herr Gärtner?

CTG:
Oh, ich komme mit dem Matula auch ganz gut zurecht.

 

SW:
Herr Matula, Herr Gärtner ist Schauspieler. Würde Sie dieser Beruf auch reizen?

JM:
Ja, das wäre ein höchst interessanter Beruf, glaube ich.

 

SW:
Und Sie Herr Gärtner, wären Sie gerne Privatdetektiv?

CTG:
Um Gottes Willen, das wäre ja das Langweiligste, was es gibt! Detektive sind nur im Fernsehen spannend.

 

SW:
Herr Gärtner, Sie haben ja auch schon Regie geführt. Würden Sie den Matula als Schauspieler für Ihren Film verpflichten?

CTG:
Den Matula nicht, aber den Gärtner!

 

SW:
Und warum den Matula nicht? Ist er kein guter Schauspieler?

CTG:
Er versucht es ja manchmal. Er muss ja manchmal was spielen, wenn er sich verstellen muss, wenn er mal dies oder mal jenes sein muss. Aber ohne den Gärtner könnte der Matula das nicht.

 

SW:
Nur am Rande: Hat einer von Ihnen schon mal in einer anderen Berufssparte gearbeitet? Zum Beispiel in einem Glühlampenwerk?

CTG:
[lacht] Nee, da haben beide noch nicht gearbeitet, aber der Gärtner versucht das immer als Metapher zu bringen, als Beispiel.

 

SW:
Und in anderen Berufssparten haben Sie nicht gearbeitet?

JM:
Also, ich war ja früher mal Polizist ...

CTG:
Und ich hatte schon viele Jobs in meinem Leben, bevor ich Schauspieler wurde. Ich war Installateur, LKW-Fahrer, Stahlwerkarbeiter, Tiefbauarbeiter, hatte selbst 'ne Auto-Innenreinigung, 'ne Teppichreinigung ... Na, ich hab' alles Mögliche versucht schon.

 

SW:
Und wie ist er denn zum Schauspiel gekommen schlussendlich?

CTG:
Ja, das wollte der schon immer werden, das wusste ich schon mit sechs Jahren, dass ich Schauspieler werden wollte. Und dann hat er die übliche Ochsentour gemacht von der Schauspielschule über viele Theater, dann zum Fernsehen und zum Film, und nachdem ich dann dreißig Jahre Theater gespielt hatte, und die Dreharbeiten so viel wurden, habe ich das Theaterspielen dann aufgegeben. Vorerst.

 

SW:
Herr Gärtner, Sie sagten mal, in eine Wohnung wie Matulas würden Sie nicht unter höchsten finanziellen Schwierigkeiten ziehen. Können Sie ihm ein paar Tipps geben bezüglich Wohnungseinrichtung?

CTG:
Die könnte ich ihm geben, aber da der Matula ja immer so an der Grenze des Existenzminimums lebt, ist da wohl guter Rat sinnlos ...

 

SW:
Und Ihnen, Herr Matula, gefällt's, wie Sie wohnen?

JM:
[überlegt] Also ... Nee, mir gefällt es auch nicht, wie ich wohne. Ich möchte es schon etwas geräumiger haben und etwas größer.

 

SW:
Aber die Wohnung ist doch ziemlich geräumig ...

JM:
Nee, das sieht nur so aus.

 

SW:
Herr Gärtner, Herr Matula ist der ewige Single. Sie hingegen haben Familie. Was denken Sie, was da los ist? Ist der Matula kein Familienmensch oder hat er einfach nur Pech mit Frauen?

CTG:
Sagen wir mal so: Der Matula hat ja insofern keine Biographie, außer dass er Privatdetektiv ist, und es wäre schwierig, auch noch die Geschichte seiner Beziehungen in fünfzig beziehungsweise in sechzig Minuten Film unterzubringen.

 

SW:
Dann können Sie ihm diesbezüglich auch nichts raten?

CTG:
Schlecht, schlecht. Es sei denn, ich könnte die Autoren mal bestechen oder ... äh ... dazu zwingen, was Süßes Weibliches einzuführen, aber hin und wieder machen die das ja, die Autoren, und Matula lebt halt à la carte.

 

SW:
Was meinen Sie denn dazu, Herr Matula?

JM:
Och, ich hätte schon hin und wieder ganz gern ne Freundin, aber für was Festes interessiere ich mich eher nicht.

 

SW:
Sagen Sie mal, Herr Matula, was machen Sie eigentlich, wenn Sie gerade nicht mit Dr. Lessing zusammenarbeiten? Gehen Sie dann mit Herrn Gärtner ein Bier trinken?

JM:
Nee, mit dem Herrn Gärtner nicht, den kenn ich ja persönlich gar nicht. Von dem hab ich alles nur geliehen, von dem Gärtner. Aber ich hab halt andere Freunde. Im Milieu zum Beispiel. Das hat der Gärtner wiederum nicht!

 

SW:
Herr Matula, James Bond versteht sich ja bestens mit Miss Moneypenny. Sie sind zwar kein Agent, aber dennoch: Wie ist eigentlich ihr Verhältnis zu Helga? Waren Sie mit der auch schon ein Bier trinken?

JM:
Mit der war ich sicher schon ein Bier trinken, nur war die Kamera nicht dabei. Nach dieser langen Zeit - die Helga macht das ja nun auch schon seit fünfzehn Jahren - da wären wir schon lange auseinander, wenn wir uns nicht verstehen würden.

 

SW:
Und der Herr Gärtner versteht sich auch gut mit der Renate Kohn?

CTG:
Ja, da ist es ja fast dasselbe.

 

SW:
Wo wir gerade bei Bond sind: Sie, Herr Matula, bedienen sich auffällig selten technischer Hilfsmittel. Sie haben zwar ein Handy, aber eines, das mehr Ähnlichkeit hat mit einem Relikt aus den achtziger Jahren als mit einem Mobiltelefon der neusten Generation. Sie notieren sich Autonummern von Hand, haben große Mühe, ihren Beantworter zu besprechen und eine Mail-Adresse dürften Sie käumlich haben. Sind Sie ein Technik-Stoffel?

JM:
Ja, da bin ich wohl Primat. Immerhin: Ich hab schon ein Handy der neuen Generation!

 

SW:
Und wie steht es mit Ihnen, Herr Gärtner?

CTG:
In dieser Beziehung bin ich auch Primat.

 

SW:
Herr Matula, Sie haben 88 das Rauchen aufgegeben. Herr Gärtner hingegen ist starker Raucher. Können Sie ihm da einen Tipp geben?

CTG:
Sollte Matula dem Gärtner einen Tipp geben?

 

SW:
Ja.

JM:
[grübelt] Ich weiß nicht, ob der Matula raucht. Jedenfalls tut er es nicht vor der Kamera.*

 

SW:
Herr Matula, wenn Sie sich zurückbesinnen, welches war denn der spannendste Fall, den Sie je hatten?

JM:
Oh, das ist schwierig zu sagen, da gab's schon die Verschiedensten. Aber wir hatten mal einen Zweiteiler, der war recht spannend, und einen Dreiteiler. Aber das ist lange her, ich glaube, den haben Sie noch gar nicht gesehen.

 

SW:
Der Dreiteiler dürfte EFfz027-029 »Morgengrauen« gewesen sein.

CTG:
Genau!

 

SW:
Und der Zweiteiler war EFfz038-039 »Erben und Sterben«, wenn ich mich recht erinnere.

CTG:
Na, Sie sind ja Klasse!

 

SW:
Herr Gärtner, welches war denn ihr spannendster Fall, wenn Sie sich zurückbesinnen?

CTG:
Ich glaube, das war auch EFfz038-039 »Erben und Sterben«. Das war von der Produktionsseite ein groß gemachter Film, das war fast Kino, was wir da gemacht haben, im Aufwand, der da getrieben wurde.

 

SW:
Und das war das Spannende daran, nicht die Geschichte?

CTG:
Die Geschichte war auch gut, aber die Geschichte und die Dreharbeiten, das ist ja ein und dieselbe Kiste schließlich und endlich. Das war eine sehr aufwendige Geschichte, sowohl vom Aufwand als auch vom Buch, von der Spannung.

 

SW:
Herr Gärtner, Herr Matula prügelt sich schonmal, wenn ihm bei seinen Ermittlungen einer blöd kommt. Gehen Sie privat auch so, sagen wir, entschlossen zur Sache?

CTG:
Wenn ich in die Situation vom Matula geriete – ganz sicher! Dazu ist es aber glücklicherweise noch nicht gekommen.

 

SW:
Herr Matula ist ja äußerst pflichtbewusst. Es kann schonmal vorkommen, dass er vollständig eingeseift die Dusche verlässt, weil das Telefon klingelt. Es könnte ja ein Klient sein. Gehen Sie das auch so an, Herr Gärtner, oder sehen Sie das lockerer?

CTG:
Also, wenn es sich um Dreharbeiten handeln würde und ich käme zu spät, dann würde ich wohl auch zur Arbeit rasen, ohne mich abzutrocknen.

 

SW:
Das ist aber auch noch nie vorgekommen?

CTG:
Gott sei Dank!

 

SW:
Wissen Sie, was mit Matula-indisch gemeint ist, Herr Gärtner?

CTG:
[verdutzt, überlegt lange] Äh ... Ja, ich glaube, wenn er Currywürstchen essen geht oder sowas?

 

SW:
Genau. Würden Sie mit Matula essen gehen oder sind Sie der größere Feinschmecker?

CTG:
[lacht] Also mit Matula würd ich sicher nicht essen gehen!

 

SW:
Nicht? Dann sind Sie der größere Feinschmecker?

CTG:
Das bin ich sicher. Es muss ja nicht Nouvelle Cuisine sein, aber von Currywürstchen würde ich mich nicht ernähren können.

 

SW:
Kommen wir zur Abschlussfrage: Herr Matula, haben Sie noch eine Frage an Herrn Gärtner? Wollen Sie ihm etwas mit auf den Weg geben?

JM:
Ja, ich muss ihn mal was fragen: Sag mal, Claus Theo, wie laaange willst du das eigentlich noch machen?

 

SW:
Bitte, Herr Gärtner!

CTG:
So lange es mir Spaß macht und Matula kein Greis wird, mach ich das gerne weiter.

 

SW:
Was meinen Sie mit Greis?

CTG:
[lacht] Na, dass Matula älter wird als ich!

 

SW:
Aber der ist doch jünger als Sie, Herr Gärtner.

CTG:
Ja, aber das soll ja keiner merken!

 

SW:
Und Sie, Herr Gärtner: Etwas, das Sie schon immer über Matula wissen wollten?

CTG:
[verschwörerisch, mit gesenkter Stimme] Ich weiß ja alles!

 

SW:
Sind Sie sich da sicher?

CTG:
Ganz sicher!

   

Interview anlässlich des Drehbesuchs im März 2001.


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