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Interview mit Claus Theo Gärtner & Rainer Hunold

© Sem Hölscher - erstellt: 2000-10-20 aktualisiert: 2002-02-11 14:40 SH

Trennlinie mit blauen Augen

Die konstante Persönlichkeit der Figuren entsteht durch unsere Arbeit

Ulrich Kind sprach mit Claus Theo Gärtner und Rainer Hunold.

 

UK:
Ist »Ein Fall für zwei« durch den Wechsel Strack-Hunold überregionaler geworden? Günter Strack ist ja als typischer Hesse bekannt und spricht Dialekt. Sie dagegen sind beide Berliner.

Matula, Franck und Umba in Bruderhaß

CTG:
Der Matula kommt innerhalb dieser Serie gar nicht aus Frankfurt, sondern aus Oberhausen, also aus dem Ruhrgebiet.
RH:
Ich halte es für einen Zufall, dass Günter Strack auch Dialekt spricht.* Die Serie ist überregional angelegt.

 

UK:
Im Laufe der Zeit haben 26 Autoren Drehbücher für »Ein Fall für zwei« geschrieben. Können Sie das Drehbuch mitgestalten?

Matula, Franck und Umba in Effz076 »Bruderhaß«
Foto: HL vom Video

GTG:
Unsere Mitsprache findet am Set, also vor Ort statt. Wir machen uns das Drehbuch an Ort und Stelle mundgerecht. Da sind ja zwei Konstanten, das sind der Rainer und ich. Ein neuer Autor muss sich nur einmal zwei, drei Folgen ansehen, dann weiß er, worum es geht.
RH:
Dadurch, dass ein Autor Bayer ist und der andere ist Friese, entsteht ein sehr unterschiedlicher Rhythmus in den Dialogen. Die konstante Persönlichkeit der Figuren entsteht durch unsere Arbeit.

 

UK:
Herr Gärtner, Sie sind von Anfang an dabei. Spielen Sie den Matula noch so, wie Sie ihn am Anfang gespielt haben?

CTG:
Es geht jetzt ins elfte Jahr. Ich bin älter geworden und das fließt auch mit ein. Ganz so flipsig, flippig, wie er zu Anfang der Serie war, ist er natürlich nicht mehr. Die Rolle ist mit mir gealtert.
RH:
Was ich am Matula von außen beobachtet habe, ist, dass er selbstironischer geworden ist. Er spielt auch mit den eigenen Klischees. Das hat der Serie sehr gut getan.

 

UK:
Wie passen die Rollen mit Ihren eigenen Persönlichkeiten zusammen? Spielen Sie sich selbst?

CTG:
Ich bin Schauspieler - kein Schauseiner.
RH:
Es gibt Teile an einer langfristig angelegten Figur, die Sie an sich selbst wieder finden. Es geht gar nicht anders. Sie können sich nicht Jahre lang verstellen. Man muss schon Anteile der eigenen Persönlichkeit benutzen, um eine Figur so lange am Leben zu erhalten.

 

UK:
Was halten Sie denn von Matulas Wohnung?

CTG:
Ich nenne das immer das VAG-Auslieferungslager. Es ist die Wohnung eines Losers. Selbst unter höchsten finanziellen Schwierigkeiten würde ich nicht so wohnen wollen.

 

UK:
Wie verändert sich der Mensch, wenn er die Rolle so lange Zeit spielt?

CTG:
Ich spiele jetzt seit 25 Jahren Theater und habe 15 Kinofilme gemacht. Ich identifiziere mich nur jeweils für den Drehtag mit dem Matula. Wenn das vorbei ist, bin ich wieder Claus Theo Gärtner. Was sich aber daraus ergibt - man wird disziplinierter.

RH:
Das Erstaunliche für mich ist, dass Claus Theo seit zehn Jahren - und ich seit fünf Jahren - nicht mehr krank geworden ist. Wir drehen immerhin zehn Monate im Jahr.

Matula und Franck in EFfz076 »Bruderhaß« - Foto: HL

CTG:
Im Mai habe ich mir mit Hilfe eines Kollegen zwei Rippen gebrochen. Deswegen kann ich nicht einfach zu Hause bleiben.

 

UK:
Wer hat Ihnen dabei geholfen?

RH:
Ich nicht. Wir haben uns noch nicht geprügelt.

 

UK:
Machen Sie alle Stunts selbst?

Matula und Franck in EFfz076 »Bruderhaß«
Foto: HL vom Video

CTG:
Nicht alle. Ich will mir nicht die Knochen ruinieren. Aber was mit körperlichem, sportlichen Einsatz zu tun hat, schon. Technische Sachen machen die Stuntmänner.

 

UK:
Wie erleben Sie Ihre Bekanntheit?

CTG:
In den zehn Jahren habe ich mich daran gewöhnt, nicht mehr allein zu sein. Es ist schwierig, U-Bahn zu fahren oder einzukaufen. Das sind die Nachteile. Die Serie läuft in halb Europa. Wenn man nach Spanien oder Italien fährt, ist man auch "Herr Matula" oder "Dottore Franke".
RH:
Die Privatheit leidet schon sehr darunter. Alles geschieht unter Beobachtung. Ich stand einmal in Indien am Taj Mahal und habe Autogramme geschrieben. Das war mir sehr peinlich.

 

UK:
Hält man Sie manchmal wirklich für einen Rechtsanwalt?

RH:
Es gibt manchmal Fanpost, da steht dann drin, wie ich mich doch als Rechtsanwalt zu verhalten hätte. Das sind aber eher scherzhaft gemeinte Vorschläge. Echter Realitätsverlust passiert eigentlich nicht. Man sollte das Publikum auch nicht unterschätzen.
CTG:
Es wäre auch stinklangweilig, wenn wir so realistisch wären, dass man uns tatsächlich für Detektiv und Anwalt halten könnte.

 

UK:
Bleibt Ihnen bei zehn Monaten Drehzeit im Jahr noch Zeit fürs Theater spielen?

CTG:
Im Winter spiele ich in Hamburg »Die Caine war ihr Schicksal« - den Captain Queeg.
RH:
Ich mache eine Tournee dieses Jahr, da spiele ich den Dr. Fritz Hagedorn in »Zwei Männer im Schnee«** von Kästner. Nicht so viel Text, dafür um so mehr Kilometer zu fahren.
CTG:
Zwischendurch schaffe ich mir mit Autorennen einen Ausgleich. Ich fahre einen Porsche RS beim Deutschen Langstreckenpokal.
RH:
Ich entspanne mich auf meinem Motorrad. Leider sind die Ausflüge meist auf wenige Tage begrenzt, weil wir ja den Sommer über drehen. Da fahre ich mit meiner K100 schon einmal an den Atlantik.

 

UK:
Wollen Sie weiter machen?

RH:
Ja, wir verstehen uns gut und dann macht die Arbeit auch Spaß.
CTG:
Stimmt! Das ist bei einer so langen Zusammenarbeit selten der Fall.


Quelle: ZDF-Presse-Info zur 100. Folge.

* Das stimmt so meines Wissens nicht ganz. Nachdem entschieden wurde, die Serie in F spielen zu lassen, war Renz schon wegen eben dieser Herkunft prädestiniert. Es wird auch in EFfz060 »Caesars Beute« thematisiert (er ist Hesse und nicht etwa Franke).

** Es hat ein geneigter Leser geholfen: Es heißt natürlich »Drei Männer im Schnee«. Der hinreißende Film aus dem Jahre 1955 ist natürlich mit Paul Dahlke, nicht mit Gustav Knuth, wie ich irrtümlich annahm. Dies mailte mir Franz-Daniel Pfaff, der den Film auch sehr mag.


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