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zu EFfz #182

Akademiker-Karussell dreht sich weiter:
Der nächste Doktor, bitte!

© Sem Hölscher - erstellt: 2000-12-22 aktualisiert: 2001-02-13 7:28 SH


Auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner /
»Ein Fall für zwei« mit dem inzwischen vierten Rechtsanwalt

Josef Matula, Deutschlands faltigster Privatdetektiv, hat wieder einen überlebt. Und zwar diesmal wirklich im wörtlichen Sinne. Seine ersten beiden Rechtsanwalts-Partner Dr. Dieter Renz (Günter Strack) und Dr. Rainer Franck (Rainer Hunold) hatten sich im Laufe der letzten neunzehn Jahre ja noch vergleichsweise undramatisch gen Toskana beziehungsweise Lehrtätigkeit verabschiedet. Dass Nummer drei, Dr. Johannes Voss (Mathias Herrmann) unfreiwillig* geht, zeigt schon der Titel der 182. "Ein-Fall-für-zwei"-Folge, die heute im ZDF zu sehen ist: "Morgen bist du tot."

Bieder, langweilig, farblos

Was der Zuschauer dieser Filme vergleichsweise leicht verschmerzen kann. Denn Rechtsanwalt Voss ist so bieder, langweilig und farblos, dass man es nicht mehr alleine auf das Jura-Studium schieben kann. So einer kann nicht ernstlich den Hass eines Killers auslösen, der etwas auf sich hält. Und tatsächlich: Die Kugel von Jochen Brenner (mit markantem Wahn im Blick: Ralf Richter) gilt Matula (Claus Theo Gärtner).

Um Kopf und Kragen geht es für Matula (Claus Theo Gärtner, links) in der heutigen Folge. Killer Jochen Brenner (Ralf Richter) will gnadenlos mit ihm abrechnen, weil der Detektiv ihn bei der Polizei verpfiffen hatte. - Foto: ZDF

Großartig ändern wird all das nichts an Deutschlands langlebigster Detektiv-Serie. Natürlich gibt es schon einen Nachfolger: den bisherigen Staatsanwalt Markus Lessing (Paul Frielinghaus); und natürlich ist er wie seine drei Vorgänger promoviert. Helga, die treue Vorzimmerseele, muss sich also nicht erst groß umstellen. Und der Zuschauer kann gewiss sein, weiterhin handwerklich solide Familien-Unterhaltung zu bekommen, auf die sich Kinder, Eltern und Großeltern für ein Stündchen verständigen können.

Das allerdings ist die Crux an dem gesamten Unterfangen. Das Bemühen, einen kleinsten gemeinsamen Nenner für alle zu finden, ist einfach tödlich für einen Krimi. Die erste Dreiviertelstunde von "Morgen bist du tot" ist derart spannungsfrei, dass sie auch herzgeschwächten** Senioren bedenkenlos empfohlen werden kann. Der dünne, vorhersehbare Plot wird in zum Teil abenteuerlich hölzernen Dialogen ausgewalzt.

Spannend ist hier nur die Musik

Allein die hektische, Spannung suggerierende Hintergrundmusik stört beim Eindämmern. Brutaler Killer jagt aus Rache den redlichen Privatdetektiv. der ihn in den Knast gebracht hat. Erschießt den Rechtsanwalt. Wird fortan von Detektiv und Staatsanwalt selbst gejagt, erbarmungslos natürlich.

Wer's so lange aushält, erlebt schließlich noch mit, dass das unvermeidliche Ende immerhin peppig inszeniert ist und noch ein paar kleinere Überraschungen bietet. Mehr darf man von einem derart keimfreien Projekt wohl nicht erwarten.

Ralf Jüngermann

Quelle: Rheinische Post #297 vom 2000-12-22 - mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Ich habe mir allerdings erlaubt, die Schreibweise von CTG im Bild-Text zu korrigieren.

* Unrichtig ist, dass Herrmann unfreiwillig geht. Er steigt auf eigenen Wunsch aus.

**Das denke ich eher nicht.


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